Kostbarer als Gold und Öl
Sauberes Wasser wird immer knapper auf der Erde.

Wird es Lösungen geben?
Warum ist Wasser so wertvoll? Schaut man sich die blauen Flächen auf dem Globus an, hat die Erde doch unheimlich viel davon. Aber: Nur ganze 2% davon sind Süßwasser -und davon ist vieles als Eis und Schnee gebunden. Nutzbar bleibt nur ein winziger Bruchteil vom kostbaren Lebenselexier. Hinzu kommt: Verschwendung, Verschmutzung, die Klimaerwärmung, Abholzung, Intensivlandwirtschaft, Überweidung und enormes Bevölkerungswachstum lassen diesen Anteil immer weiter schmelzen. In Afrika, Asien und Lateinamerika sind bereits bis zu zwei Drittel des Bodens ausgetrocknet oder werden sich in nächster Zeit zu Dürregebieten entwickeln. Rund 100000 Quadratkilometer fruchtbares Land gehen jährlich verloren. So wird das Wasser – auch immer mehr ein Hungerproblem. Denn nach UN-Statistiken stammen bereits 40 Prozent der Welternährung von künstlich bewässerten Feldern.
Weltweiter Zündstoff: Während wir einfach den Hahn aufdrehen, müssen etwa in Afrika viele Frauen Wasser über Kilometer durch glühende Hitze nach Hause schleppen. 1,1 Milliarden Menschen haben keinen direkten Zugang zu sauberem Trinkwasser! Über 3 Milliarden könnten es nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis zur Mitte des Jahrhunderts werden. Eine UNO-Studie prognostiziert, dass Wasser irgendwann wertvoller sein wird als Gold. Bei der Weltbank hält man das kostbare Nass für das Erdöl des 21. Jahrhunderts – mit ähnlichem Konfliktpotential. Probleme zwischen den Nationen gibt es jetzt schon. Am Rio Grande zum Bespiel streiten sich amerikanische und mexikanische Farmer um das immer knapper werdende Wasser. Ägypten, Äthiopien und der Sudan konkurrieren ums Nilwasser.
Technische Lösungen gestalten sich schwierig. Spaniens frühere Regierung unter Aznar wollte zum Beispiel eine 900 km lange Pipeline quer durchs Land bauen, um den trockenen Süden mit Flusswasser des Ebro aus dem Norden zu versorgen. Das Projekt war ökologisch umstritten. Die neue Regierung hat es gestoppt und plant stattdessen für 3,7 Milliarden Euro 15 Meerwasser-Entsalzungsanlagen. Doch auch das wird kritisiert: Es sei teuer, die Anlagen zu unterhalten, und die Entsorgungsfrage der dabei entstehenden Rückstände wie Salze, Bakterien, Viren, Kalk und Schwermetalle noch nicht geklärt. Ein nicht unerheblicher Teil der Wasserkrisen ist auf falsche wassertechnische Konzepte zurückzuführen. Das gilt besonders für die Entwicklungsländer. Ein Beispiel sind Schlemmkanalisationen, die nach europäischem Vorbild in Indien gebaut werden. Sie laufen beim heftigem Monsumregen über und verunreinigen nicht nur die Umgebung mit stinkendem Unrat, auch Trinkwasserquellen werden verschmutzt. Technische Lösungsansätze sollten endlich den natürlichen Bedingungen vor Ort angepasst werden.
Das Recht auf sauberes Wasser haben alle. Die Vereinten Nationen erklärten es im März 2008 zum Menschenrecht. Nur schöne Worte? Nein, zum einen werden Konzepte zur Verbesserung der Lage erarbeitet. Zum anderen ist Wasserversorgung jetzt einklagbar. Die Menschen sind nicht mehr nur Bittsteller bei ihren Regierungen, sondern können die Versorgung einfordern. Das bedeutet auch, dass den Ärmsten der Armen wegen Zahlungsrückstand nicht einfach das Wasser abgedreht werden kann. Und es stellt Praktiken großer Versorgungskonzerne in den Entwicklungsländern infrage, bei denen man für Wasser erst Chips kaufen muss.
Die Situation in Deutschland: Auch bei uns könnte das Recht auf Wasser wichtig werden – wenn z.B. Im Zuge der Privatisierung Energie-Multis irgendwann die Wasserversorgung kontrollieren und dann nicht nur unseren Strom-, sondern auch die Wasserpreise diktieren. Die Wasserqualität soll dann ebenfalls gefährdet sein. Das Bundesumweltamt warnt nach einer Studie: Zahlreiche Maßnahmen zum Wasserschutz, wie Verträge mit Bauern über Trinkwasserschutz durch weniger Gülle und Pestizide, könnten wegfallen. Ein anderes Problem: Immer mehr Feuchtgebiete wie Moore und Wiesen werden trockengelegt – von 1950 bis 1985 waren es 57 Prozent. Damit hat Deutschland große Flächen mit Speicherfähigkeit für Wasser verloren, die Überschwemmungen und Dürre vorbeugen. Außerdem sinkt dadurch der Grundwasserspiegel. Ballungsgebiete wie das Ruhr- und Rhein-Main-Gebiet sind schon heute Mangelregionen und müssen mit Fernleitungen versorgt werden.
Verschärfung des Problems: Bis Ende des 21. Jahrhunderts verschieben sich nach Berechnungen des Umweltbundesamtes die Niederschläge in Deutschland regional. Für den heute schon trockenen Osten könnten die Sommerregen noch weiter abnehmen. Möglich, dass dann Energieversorger abschalten müssen, weil nicht ausreichend Flusswasser zur Kühlung der Kraftwerke da ist. Die zu hohe Wassertemperatur wäre für Fische und andere Flussbewohner tödlich. Und auch die Trinkwassergewinnung könnte wegen Niedrigwasserständen zum Problem werden. Für die alpine Region hat die Klimaerwärmung noch dramatischere Folgen: Wenn die Gletscher schmelzen, kommt erst Flut, dann Dürre. Denn das Süßwasser aus den Eisgiganten ist dort das wichtigste Trinkwasserreservoir. Wissenschaftler rechnen, dass die Gletscher Ende dieses Jahrhunderts fast völlig verschwunden sein werden.
Ist es nötig, Wasser zu sparen? In Gebieten mit niedrigem Grundwasserspiegel sowieso. Aber auch sonst plädiert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) für bewussten Umgang mit dem kostbaren Nass. Weil Wasser sparen ein Beitrag zum Klimaschutz ist: Sowohl die Förderung als auch die Abwasserklärung sind äußerst energieaufwendig. Wer Trinkwasser spart, schont unsere Gewässer und den Naturhaushalt. Denn nicht alle Schad- und Schmutzstoffe können in den Kläranlagen restlos entfernt werden. Sie gelangen zum Teil ins Grund- und dann wieder ins Trinkwasser; z.B. Jährlich 180000 Tonnen Tenside über Putz- und Reinigungsmittel in den Gewässern. Dazu kommen starke Alkalien wie Natrium- oder Kaliumhydroxid. Wer sauberes Wasser will, sollte deshalb Reinigungsmittel sparsam verwenden und am besten solche, die biologisch vollständig abbaubar sind. Und abgesehen vom ökologischen Nutzen: Wasser sparen schont auch den Geldbeutel.